Sind eigentlich eher die jüngeren Politikerinnen und Politiker häufiger in den sozialen Medien anzutreffen? Eigentlich würde man das ja erwarten, sind jüngere Generationen sich ja gewohnter, mit digitalen Medien und Instrumenten umzugehen ("digital natives"). Die Auswertungen zeigen aber: nicht unbedingt.

Heute schauen wir deshalb die Jungparteien und die Altersverteilung in den sozialen Medien genauer an.

Überblick

Die Unterschiede sind eigentlich kleiner als erwartet. Wird in vier Alterskategorien getrennt (u30, zwei mittlere Alterskategorien, und ü60), dann fallen meist nur die älteren Politikerinnen und Politiker ab. Bei den meisten Parteien haben die ü60-Kandidierenden weniger häufig Profile auf Twitter und Instagram, meist auch auf Facebook. Bei den grösseren Parteien ist auch ein Rückgang bei den jüngsten Kandidierenden auf Facebook ersichtlich. Diese haben immer mehr Möglichkeiten zur Verfügung (Snapchat, um nur eines zu nennen) und sind deshalb nicht mehr so häufig auf Facebook anzutreffen. Allerdings ist es spannend, dass Instagram in dieser Altersgruppe nicht stärker dominiert. Das zeigt zwei Sachen: einerseits sind jüngere Generationen nicht unbedingt affiner für die digitale Welt, zumindest wenn es um die grossen Plattformen mit der grösseren Reichweite geht, wo mehr oder weniger professionelle Möglichkeiten bestehen, um einen politischen Auftritt zu organisieren. Andererseits kann nicht eine Verdrängung von Facebook durch Instagram bei jüngeren Generationen beobachtet werden - ein Zeichen dafür, dass soziale Medien als Polit-Instrument eventuell überbewertet werden?

Dieses Bild zeigt sich ähnlich, wenn die Jung- und Mutterpartei gegenübergestellt werden. Kandidierende der Jungparteien sind nicht unbedingt dominant was den Anteil an Kandidierenden mit einem Auftritt in den verschiedenen Plattformen angeht. Oder anders gesagt: soziale Medien sind keine Generationenfrage.

Parteipräsidien nützen für den Aufbau von PolitikerInnen

Betrachten wir wieder die grobe Reaktion auf Twitter für die verschiedenen Kandidierenden, wie wir das letzte Woche über alle Kandidierenden hinweg angeschaut haben. Ein Hinweis auf die Skala: je nach Altersgruppe sind die x- und y-Skalen unterschiedlich. Nach Alter getrennt zeigt sich, dass jede Generation ihre Stars hat. In den zwei jüngeren Generationen stechen drei Personen der SP heraus: Tamara Funiciello, Fabian Molina und Cédric Wermuth. Diese drei ehemaligen Juso-PräsidentInnen, welche auf SP-Listen (wieder-)gewählt werden möchten, sind in ihrer jeweiligen Alterskategorie dominant. Gemeinsam mit Andri Silberschmidt der FDP, Parteipräsident der jungfreisinnigen bis Ende Jahr, zeigt dies: die Strategie mit Parteipräsidien Personen für die nationale Bühne aufzubauen funktioniert. Bei der SP führt dies mit Molina und Wermuth zu jungen NationalrätInnen, und Silberschmidt sowie Funiciello haben beste Chancen dieses Jahr dasselbe zu erreichen.

Wiederum nach Liste betrachtet, sieht man bereits nächste nachrückende JungpolitikerInnen auf den Listen der Jungparteien, die herausstechen. Soziale Medien im Generellen und Twitter insbesondere können so als Plattform dienen, sich bekannter zu machen. Obwohl die Reichweite teils beschränkt ist (Remo Zuberbühler der jBDP hat knapp über 1'600 Follower), so kann dies doch ein Multiplikator sein, um als JungpolitikerIn Medienschaffende zu erreichen.

Hashtags

Von Bedeutung ist nicht nur wie gut die Tweets der KandidatInnen ankommen, sondern auch was kommuniziert wird. Die Verwendung von Hashtags ermöglicht einen ersten Einblick in das, was die PolitikerInnen und die Parteien beschäftigt. Für die Kandidierende der Jungparteien haben wir deshalb die Auswertung der Hashtags nach demselben Muster wie letzte Woche durchgeführt.

Auch Jungpolitikerinnen kommunizieren zu ähnlichen Themen wie die Pendants der Mutterpartei. Die Hashtags unterscheiden sich somit nur teilweise. Parteislogans, Wahl-Hashtags wie #wahlch19 oder Abstimmungsthemen sind ähnlich vertreten. Bei den Männern sind Klimathemen verstärkt präsent, während die Frauen der bürgerlichen Parteien sich weniger mit dem Thema beschäftigen.