Noch nie war die Anzahl Kandidatinnen und Kandidaten grösser an den Eidgenössischen Wahlen. Für den Nationalrat kandidieren mehr als 4600 Kandidatinnen und Kandidaten. Ein Grund für diesen Anstieg ist, dass es immer leichter wird eine Liste in einem Kanton einzureichen, da gegenüber 2015 die Hürden dank wegfallendem Unterschriftenquorum kleiner wurden. Unabhängig davon stellt sich hier auch die Frage: In welchen Kantonen ist der Konkurrenzdruck auf einen einzelen Sitz am höchsten und wo ist er am kleinsten.

Bevölkerungsarme Kantone vs. bevölkerungsreiche Kantone

In der Grafik unten ist schnell ersichtlich, dass in den Kantonen, die nur zwei oder einen Sitz im Nationalrat haben, meist nur wenige Kandidierende um die Sitze konkurrenzieren. Dies liegt bei den kleinen Kantonen mit nur einem Sitz am Majorz-Wahlverfahren. Bei zwei Sitzen gleicht die Wahl bei so wenigen Kandidaten defacto einer Personenwahl, es macht daher keinen Sinn für Parteien unnötig Kandidierende aufzustellen. Gerade gegen Bisherige haben wenig bekannte PolitikerInnen keine Aussichten auf Erfolg. Die Ausnahme von der Regel bildet hier der Kanton Jura. In diesem kandidieren 17 Personen für zwei Sitze.

Sobald die Zahl der Size aber grösser wird nimmt die Zahl der Kandidierenden stark zu, da es sich bei der Wahl um klare Listenwahlen handelt. Dies führt automatisch dazu, dass jede Partei eine voll besetzte Liste stellt, was die Kandidierenenanzahl pro Sitz stark ansteigen lässt. Ein weiterer Faktor der die Zahl der Kandidierenden steigen lässt ist die Parteienlandschaft in Kanton selbst. Nicht alle Parteien treten in allen Kantonen zur Wahl an. Kleinparteien treten oft nur in einzelnen Kantonen mit einer einzelnen Liste an, während Parteien von Nationaler Beteutung in fast jedem Kanton mit mindestens einer Liste antreten. Hier zeigt sich, dass grössere Parteien, durch die weggefallenen Unterschriftenhürden, mehrere Listen einreichen können und diese Möglichkeit oft warnehmen.

Für eine Partei hat es Vor- und Nachteile mehrere Listen zu haben. Auf der einen Seite können durch zusätzliche Listen wie Jungparteilisten, Seniorenlisten und Gewerbelisten zusätzliche Netzwerke eingebunden werden und so vielleicht mehr Stimmen geholt werden. Dank Listenverbindungen helfen diese Listen der Hauptliste ein (Rest-)Mandat zu erobern. Demgegenüber steht aber auch die Gefahr, dass es durch die hohe Zahl an Kandidierenden schwieriger wird einen klaren Auftritt gegenüber Aussen zu haben. Für die einzelnen Kandidierenden, die einen Sitz im Nationalrat anstreben, wird es auch innerhalb der Liste schwieriger, sich vom Rest abzuheben und durch Kumulieren und Panaschieren mehr Stimmen zu erhalten, um die Aussicht auf eine Wahl zu vergrössern.

Hier zeigt sich aber auch ein Problem in sehr bevölkerungsreichen Kantonen. Die Zahl der Listen und somit Kandidierenden wird bei diesen so hoch, dass ein Wähler meist nur einen Bruchteil der antretenden Listen kennen wird und auf einer Liste meist nur gerade ein paar wenige Kandidierende kennt. Daher is es für die Kandidierenden sehr wichtig möglichst viele Wählerinnen und Wähler vor den Wahlen auf sich aufmerksam zu machen. Sie müssen daher nicht nur klassisch Wahlkampf auf der Strasse und in Printmedien machen, sondern zunehmend auch auf Social Media aktiv sein.

Konkurrenz innerhalb der Parteien und Kandidatinnen und Kandidaten

Wir wissen nun, dass die Kandidierenden durchaus ein grosses Interesse haben müssten sich möglichst gut vom Rest der Kandidierenden abzuheben, somit auch von den Kollegen und Kolleginnen aus der selben Partei. Schauen wir uns nun mal an, ob es hier Unterschiede zwischen den Parteien in den Kantonen gibt.

Facebook wird von den meisten Kandidierenden genuzt sobald sie sich aktiv um ein Mandat bemühen. Bei Twitter und Instagram sieht dies schon etwas anders aus. Die Zahl der Kandidierenden mit einem Account ist bei allen Parteien in jedem Kanton nie grösser als zwei Profile pro Sitz den es in dem Kanton zu errreichen gibt. Interessant ist hier, dass die Gefahr ein Restmandat zu verlieren anscheinend die Aktivität auf Twitter beeinflusst. Dies ist unter anderem bei der SVP im Wallis, den Grünen in Basel Stadt, bei der BDP im Aargau und bei FDP in Zug der Fall. Dasselbe gilt bei der Aussicht auf ein weiteres Mandat, wenn auch nicht in allen Fällen. Dies könnte bei der SP in Zug oder bei der GLP in Zürich der Fall sein. Besonders schwach vertreten sind Kandidierende auf Twitter immer dann, wenn die Sitze der Partei in fester Hand sind.